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Herkunft und Tradition

Satzung der Herzoglich privilegierten Altschützengesellschaft zu Gotha: hier .

Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung einer Ansiedlung städtischen Charakters am Standort Gotha datiert aus dem Jahr 775. Die Geschichte der Wehrorganisation der Einwohner Gothas dagegen reicht bis in die Zeit König Heinrich I. (918 bis 936), genannt der Vogler, zurück. Es war die Zeit der verheerenden Einfälle ungarischer Reiterheere in Thüringen und Sachsen. 

924 schloss Heinrich I. gegen Tributzahlung einen 9-jährigen Frieden mit den Ungarn ab. Gleichzeitig stellte er ein Reiterheer auf, ließ die Ortschaften befestigen, ihre Bewohner sich bewaffnen, militärisch ausbilden und organisieren.

Im Jahr 933, zur Entscheidungsschlacht an der Unstrut, war Gotha umwallt und stand unter Waffen. Auf Grund der militärischen und geographischen Situation ist davon auszugehen, dass ein Teil des Gothaer Aufgebots in den Reihen von Heinrichs Reichsheer gefochten hat. 

Landgraf Ludwig der Milde von Thüringen hielt 1168 Hof in seiner Burg Grimmenstein bei Gotha. Wie üblich wurde aus diesem Anlass Recht gesprochen. Zu jener Zeit wurde die Friedenspflicht durch Bewaffnete gewahrt. Aus der Chronik ist ersichtlich, dass bewaffnete Gothaer unter dem Befehl des Burghauptmanns dafür zuständig waren.

(Feste Grimmenstein und Stadt Gotha Anfang 1567)

1180 erhielt Gotha vom Landgrafen das Stadtrecht, ein Privileg welches die Gothaer Bürger dem Landgrafen zur Heerfolge verpflichtete. Nach dem Tod des Gegenkönigs zum Staufer Friedrich II., des Landgrafen Heinrich Raspe im Jahr 1246 kam es zu bewaffneten Auseinandersetzungen um das Erbe. So verteidigten die Gothaer Schützen 1249 ihre Stadt und die Interessen des Landesherren gegen die Herren von Treffurt, sie nahmen die Angreifer bei Sonneborn gefangen. An den Auseinandersetzungen zwischen den Söhnen Albrechts des Entarteten und König Adolf von Nassau waren die Gothaer ebenfalls beteiligt. Voraussetzung für einen erfolgreichen Einsatz in der Schlacht war die ständige Übung im Umgang mit den Waffen. Daraus entwickelte sich mit der Zeit der sportliche Wettkampf im Fechten und Schießen. 

1327 schlug das Gothaer Aufgebot unter dem Oberbefehl des Landvogts Friedrich von Wangenheim erneut die Herren von Treffurt und führte sie in Ketten nach Gotha zur Hinrichtung.

Aus dem Jahr 1403 ist bekannt, dass die Gothaer Schützen dem Landgrafen Balthasar für das Thüringer Heeresaufgebot 40 Mann und 6 gepanzerte Reiter abzustellen hatten. Das Aufgebot der Gothaer Schützen umfasste zur damaligen Zeit 700-750 Mann gegliedert in 4 Viertel (Heilig Kreuz, Sundhäuser, Siebleber und Erfurter Viertel) mit je einem Viertelmeister an der Spitze und eigenem Feldzeichen, dem Banner. Die Viertel waren nach Straßenzügen in Rotten gegliedert. Als Vertreter der Schützen gegenüber dem Rat fungierte der Kleinodmeister, damals der jährlich ermittelte beste Schütze und somit Träger des Kleinods, dem Wahrzeichen der Gothaer Schützen. Das Kleinod wurde kultisch verehrt.

Die Herren des Rates und der Bürgermeister marschierten einst in den Reihen der Schützen in die Schlacht. Im Rahmen des Landesaufgebots zogen Gothaer Schützen in den Kreuzzug gegen die böhmischen Hussiten.

1426 fielen 180 Mann mit ihrem Bürgermeister Hans Weltzing an der Spitze in der Schlacht bei Aussig.

1441 bestätigte Herzog Wilhelm die Gothaer Rechte und Freiheiten. In Folge dessen erließ der Rat 1442 die älteste noch erhaltene Schützenordnung. Demgemäß versammelten sich die Schützen am 20. Januar, dem Tag des heiligen Sebastian, des Schutzpatrons der Schützen um zu feiern. Am 05. Mai, dem Tag des Sankt Gothardus, des Schutzpatrons und Namensgebers ihrer Stadt traten die Schützen zusammen, zogen um die Mauern und demonstrierten in Form einer Musterung ihre Wehrhaftigkeit. Anschließend wurde ausgiebig gefeiert. Im Sommer wurde Schützenhof gehalten, Vorläufer des Schützenfestes. Am Sankt Antonius–Tag, wurde ein Vorläufer des heutigen Weihnachtsfestes begangen. Diese älteste erhaltene Satzung enthält auch die Verpflichtung der Schützen zu sozialem Engagement, der Armenpflege.

Erste Schützenordnung.

1443 veröffentlichte Meister Thalhofer den ersten seiner drei Codices über das Fechten.

1462 begann die Umstellung der Schützen auf Feuerwaffen. Seit dieser Zeit waren die Gothaer Schützen in Erfüllung ihrer Heerfolge gegenüber dem Landesherren auch verpflichtet Handelszügen im Rahmen des so genannten „Weimarer Geleit“ Schutz auf den Handelswegen über den Thüringer Wald zu gewähren. Es wurden regelmäßig so genannte Schützenhöfe, Vorläufer der heutigen Schützenfeste, abgehalten. Der Landesherr war regelmäßig Gast und Teilnehmer dieser Veranstaltungen vor dem Brühler Tor.

1482 wird erstmals in einem landesherrlichen Aufgebot die Gestellung von zwei Stücken Artillerie erwähnt. Diese spielte eine entscheidende Rolle im so genannten Bierkrieg zum Durchsetzen des von Kurfürst Friedrich verliehenen Brauprivilegs. Die Auseinandersetzung bei Bufleben wurde 1524 durch Auffahren der Gothaer Artillerie entschieden. In der nun folgenden Zeit von Reformation und Gegenreformation stand man auf Seiten der Reformation.

1524 stürmten die Gothaer, voran die Schützen, die Liegenschaften der Domherren in Gotha. Von den Wirren des Bauernkrieges blieb Gotha wegen seiner starken städtischen Defension verschont, der in Gotha wirkende Reformator Myconius überzeugte den bei Ichtershausen stehenden Haufen der aufständischen Bauern unter Hinweis auf die Verteidigungsbereitschaft der Schützen auf einen Zug gegen Gotha zu verzichten.

1544 erteilte der Landesherr den Schützen das Privileg auf dem Gelände hinter dem heutigen Gasthof „Zum Mohren“ das erste feste Gebäude, das „Schießhaus“, eine Festhalle, zu errichten.

Im „Schmalkaldischen Krieg“ standen die Gothaer Schützen an der Seite ihres Landesherren auf Seiten des protestantischen „Schmalkaldischen Bund“. Die Niederlage des Bundes überstand man unbeschadet. Anders in den „Grumbach`schen Händeln“. Nachdem Herzog Johann Friedrich im Streit um die Kurwürde in die Reichsacht getan wurde, erschienen im Januar 1567 das Reichsexekutionsheer unter Kurfürst August von Sachsen vor Gotha. Nach mehrmonatiger erfolgloser Belagerung bewegte der Rat den Herzog zur ehrenvollen Kapitulation. Allerdings wurden der Grimmenstein und die Stadtmauern geschliffen. Die Schützen zeigten hier sowohl Mut und Entschlossenheit bei der Abwehr der äußeren Bedrohung als auch Courage gegenüber dem Landesherren.

Im „Dreißigjährigen Krieg“ stand der Landesherr auf Seiten der protestantischen Union. Er nahm aktiv als Reiterführer der Schweden an den Kämpfen teil. Die Schützen verteidigten die Stadt, so wehrten sie 1631 den Versuch von Truppen der katholischen Liga unter dem Oberbefehl Tilly´s ab die Stadt zu besetzen. Andererseits warf man 1637 die verbündeten Schweden unter Feldwachtmeister Sperreuther hinaus, nachdem diese im Handstreich in die Stadt eingedrungen waren.

1655 stiftete Kleinodsmeister Georg Sorge einen neuen, heute noch erhaltenen, Anhänger an das Kleinod, Sankt Georg, hoch zu Roß, nicht mit Lanze, sondern mit Armbrust.

1657 erließ der Rat der Stadt Gotha eine neue Schützenordnung, die letzte dieser Art für lange Zeit. Ihre Schwerpunkte bildeten Landesdefension und Wohltätigkeit.

1683 kämpften Gothaer Schützen unter Herzog Friedrich I. im Entsatzheer für das von den Türken belagerte Wien.

Unter Herzog Friedrich II. erstarkte der Absolutismus. Ausdruck dessen ist die von ihm 1704 erlassene neue Schützenordnung und die Umwandlung der „Schützencompagnie“ in eine Reserve für sein stehendes Heer. Unter Herzog Friedrich III. wurde die mittelalterliche Organisation der Schützen mit Patent vom 07.05.1740 durch eine moderne Struktur abgelöst.

Die Schützen waren nunmehr als Bürgergardebataillon mit zwei Kompanien gegliedert.

Anno 1795 gründete Herzog Ernst Leopold August von Sachsen- Gotha-Altenburg den „Königsorden der ASG“ als Gemeinschaft der Gothaer Schützenkönige mit abgelaufener Regentschaft und stiftete den Königsorden als Ehrenzeichen der Ordensgemeinschaft. Am Vorabend der Proklamation des neuen Schützenkönigs erfolgt mit der Investitur mit Zapfenstreich auf dem Gothaer Hauptmarkt die feierliche Aufnahme des scheidenden Schützenkönigs in den Orden.
In Dokumenten aus dem Jahr 1797 erscheint erstmals die Bezeichnung „Ältere Schützengesellschaft“.

Am 15.12.1806 trat Herzog August dem Rheinbund Napoleons bei. Gothaer Schützen fochten für den Franzosenkaiser vor Kolberg, in Tirol, in Spanien und in Russland. 1813 traten die Gothaer zu Blüchers Schlesischen Armee über.

Die Napoleonischen Kriege hatten die Überlebtheit der städtischen Aufgebote angesichts der Massenheere der Neuzeit gezeigt. Das Schützenwesen hatte seine militärische Bedeutung verloren und befand sich in einer Sinnkrise. Der Ausweg zeigte sich in der seit alters her gepflegten sportlichen Betätigung und im sozialen Engagement.

Die „Ältere Schützengesellschaft“ vollzieht den Wandel von der Wehrorganisation zum bürgerlichen Verein mit Betätigung in Sport, Kultur und Traditionspflege.

Am 27.12.1817 gab man sich erstmals selbst eine neue Schützenordnung, in der auch erstmals der Name „Altschützen-Gesellschaft“ gebraucht wird. 1822 erwirbt man das Areal des heutigen Schützenhofes im Norden der Stadt und errichtet dort mit herzoglichem Privileg von 1823 den neuen Schützenhof. Die dort veranstalteten Schützenfeste genießen einen guten Ruf und ziehen prominente Gäste an. So nimmt Queen Victoria von England teil und stiftet 1845 einen Silberpokal.

Während der Reichsverfassungskampagne 1848/49 bleibt es in Gotha ruhig, Grund dafür ist die liberale Politik des „besonnenen Fortschritts“ Herzog Ernst II. Am 06.08.1848 huldigen die Gothaer Schützen auf dem Boxberg dem vom Frankfurter Parlament eingesetzten Reichsverweser Erzherzog Johann.

Auf der Grundlage des neuen liberalen „Staatsgrundgesetz“ Ernst II. gibt man sich 1851 eine neue Satzung, die in ihren Grundzügen heute noch Gültigkeit hat, und den 1817 eingeleiteten Prozess der Umwandlung in einen bürgerlichen Verein moderner Prägung abschließt. Kern der Satzung ist der liberale Gedanke der Über parteilichkeit und religiöser Ungebundenheit. Deshalb sind unter den Mitgliedern sowohl Anhänger aller christlichen Konfessionen als auch Juden, Freimaurer und Atheisten sowie Vertreter des gesamten Parteienspektrums von konservativ bis liberal-demokratisch vertreten.  

Viele Gothaer Schützen sind im 1859 gegründeten Deutschen Nationalverein aktiv tätig, dessen erklärtes Ziel die Schaffung der „deutschen Einheit von Unten“ ist. So nimmt es nicht Wunder, dass man beginnt an einem einheitlichen gesamtnationalen Schützenverband zu arbeiten. Initiator dieser Bestrebungen sind Herzog Ernst II . und Gotthilf Albert Sterzing, der langjährige Oberschützenmeister. Das 1861 gestiftete Banner der Gesellschaft zeigt die Farben Grün/Weiß, die Farben von Sachsen Coburg und Gotha.

Am 11.07.1861 kommt es schließlich in Gotha im Schießhaus zur Gründung des Deutschen Schützenbund, Albert Sterzing wird sein erster Präsident und Ernst II. sein Protektor. 1862 übernimmt man die Farben des Herzogshauses Grün/Weiß mit allerhöchster Genehmigung auch als die Farben des DSB.

Am 14.08.1861 wird ebenfalls in Gotha der Vorläufer des späteren Thüringer Schützenbund gegründet.

1866 Preußisch-Österreichischer Krieg
Die Altschützen verhielten sich im Deutsch-deutschen Bruderkrieg neutral, bedingt durch die Ablehnung einer Kleindeutschen Lösung bei der Herstellung der deutschen Einheit unter preußischer Hegemonie und Ausschluss Österreichs. Nach der Schlacht bei Langensalza wurde der Schützenhof zu Gotha zum Lazarett für die Verwundeten beider Seiten umfunktioniert.

1868 reist man zum 3. Bundesschießen des DSB nach Wien, eine Demonstration für die Großdeutsche Lösung der Einheit unter Einbeziehung Österreichs.

Der Deutsch-Französische Krieg 1870/71 sieht zahlreiche Schützen in den Reihen des Thüringer Infanterieregiments 95.

Am 24.12.1899 erhält die Altschützengesellschaft zu Gotha durch herzoglichen Erlaß die Rechtspersönlichkeit verliehen. Sie erlangt damit ihren bis heute gültigen Rechtsstatus.

Unter Sterzings Führung bewahren sich sowohl die Altschützengesellschaft als auch der Deutsche Schützenbund davor eine militante Vereinigung zur Unterstützung Wilhelminischer Bestrebungen zu werden.

Der erste Weltkrieg 1914/18 reißt große Lücken in die Reihen der Altschützen. Der Verein übersteht den Krieg ebenso wie die revolutionären Nachkriegswirren auf Grund seiner strikten politischen Abstinenz.

Revolutionäre Nachkriegskrise 1918-1922
Die Schützen verhielten sich politisch neutral und weigerten sich als Bürgerwehr in die Auseinandersetzungen zwischen Revolutionären und konservativen Kräften zu Gunsten letzterer einzugreifen.

1922 tritt das Vereinsgesetz in Kraft. Zur Erlangung der Rechtspersönlichkeit kann man sich in einem Vereinsregister eintragen lassen (eingetragener Verein, kurz e.V.). Die Altschützengesellschaft Gotha tut das nicht, sondern passt lediglich unter Wahrung ihres Rechtsstatus die Satzung den neuen gesetzlichen Erfordernissen an.

1924 veröffentlicht Kommerzienrat Salomon, Schatzmeister, eine Geschichte der Altschützengesellschaft. Im Zuge der gesellschaftlichen Polarisierung und politischen Radikalisierung in der Nachkriegszeit entstehen auch in Gotha neben der Altschützengesellschaft andere, politisch motivierte Schützenvereine, die nicht im DSB organisiert sind. Entsprechend dem überparteilichen Charakter des Vereins nimmt es nicht Wunder, dass auch NSDAP-Anhänger Mitglieder des Vereins waren. 

Mit der Machtergreifung Adolf Hitlers und seiner NSDAP im Jahre 1933 soll das deutsche Schützenwesen wie alle anderen Bereiche des gesellschaftlichen Lebens der absoluten Kontrolle des totalitären Regimes im Zuge der „Gleichschaltung“ unterstellt werden. Der DSB als Dachverband verweigert sich und wird durch die Gestapo ab 1935 liquidiert, die Mitgliedsvereine sollen unter Preisgabe ihrer Rechtspersönlichkeit Gliederung des NSRL und damit der NSDAP werden. Es gelingt den NSDAP-Mitgliedern trotz Druck von außen nicht die Herrschaft in der Gesellschaft zu übernehmen, zu stark verwurzelt sind die liberalen Traditionen. Dem Vorstand unter Arthur Schmidt gelingt es diese zu wahren.

Die Altschützengesellschaft verweigert sich, statt dessen taktiert man und verhandelt jahrelang mit den Behörden ohne die Satzung von 1922 aufzugeben, der Oberschützenmeister nennt sich nach Außen hin zwar Vereinsführer, aber intern bleibt man bei der alten Struktur. So überlebt die Gesellschaft die NS-Zeit unter Wahrung ihrer Identität. Der Widerstand gegen die NS-Diktatur beschränkte sich aber nicht auf  juristische Winkelzüge.

Niemand wird wegen seiner „rassischen Zugehörigkeit“ oder politischen Überzeugung ausgeschlossen, im Gegenteil Salomon bleibt Schatzmeister bis zu seiner Auswanderung aus Deutschland. Trotz Verbot feiert man 1936 den 75. Jahrestag der Gründung des DSB, auch wenn andere Vereine der Veranstaltung fernbleiben. Man schießt weiter mit großkalibrigen Waffen auf große Distanz nach DSB-Reglement und nicht mit auf .22 lfB aptierten Wehrmachtskarabinern auf 50m nach militärischem Reglement, vormilitärische Ausbildung findet nicht statt. Zahlreiche regimetreue Mitglieder verlassen die Gesellschaft in Richtung NS-Organisationen. 1943 wird der Schützenhof im Rahmen der „Totalen Mobilmachung“ von der Stadtverwaltung beschlagnahmt und an NS-Organisationen zur Nutzung übergeben.

Der Einmarsch der Amerikaner am 04.04.1945 beendet das NS-Kapitel in der Geschichte der Gesellschaft, einfacher wird es aber nicht. Die amerikanischen Besatzer plündern Waffen- und Schatzkammer, Kegelbahn samt eingelagertem Barockgestühl fackeln ab.

Am 29.04.1945 treffen sich die in Gotha anwesenden Schützen um über das weitere Vorgehen zu beschließen. Der Vorstand erhält weitgehende Vollmachten zur Sicherung der Existenz und des Vermögens der Gesellschaft. Arthur Schmidt wird am 05.06.1945 erstmals beim OB der Stadt Gotha in Sachen Rückgabe des von der NS-Verwaltung beschlagnahmten Schützenhofes vorstellig. Die Rückgabe erfolgt nicht, weder damals noch später, stattdessen eignet sich die Stadt rechtswidrig das Eigentum der Schützen an. Die Altschützengesellschaft passt auch den neuen Machthabern von Stalins Gnaden nicht ins Konzept. Als ebenfalls totalitäres Regime vollendet man in der Sowjetischen Besatzungszone kompromisslos die von den Nazis begonnene Liquidierung aller unabhängigen Vereine und Verbände. Oberschützenmeister Arthur Schmidt ist 1946 gezwungen in die Westzonen zu flüchten. 

Er geht damit den Weg vieler anderer, die unter den neuen Verhältnissen keine Perspektiven mehr haben und verfolgt werden. Vorher setzt er auf Beschluss des Vorstands am 09.12.1946 Hans-Rolf Schröter als „Verweser im Auftrag des Vorstands“ ein. Er hatte den gleichen Auftrag wie Arthur Schmidt, nämlich das Überleben der Gesellschaft und ihr Vermögen zu sichern.

Einige Jahre versuchten die Schützen wenigstens kulturelle Aktivitäten wie Karneval, Gothardusfest und Volksfeste aufrechtzuerhalten, aber die Behörden haben sie als „faschistische und militaristische Vereinigung“ deklariert und drängten sie in die Illegalität. Unabhängig davon traf man sich regelmäßig und hielt den Kontakt zu den Schützenbrüdern im „Westen“ aufrecht. 1961, zur 100-Jahrfeier des wiedererstandenen DSB entsenden die Gothaer Theodor Bonsack sen. nach Wiesbaden. Seine Mission endet an der innerdeutschen Grenze, die nunmehr dicht ist. Alle Bemühungen seitens der Stadtverwaltung die Gesellschaft verbieten bzw. löschen zu lassen um die Aneignung des Vermögens nachträglich zu sanktionieren misslingen. Man wähnt sich seiner Herrschaft sicher und lässt die Angelegenheit des Verbots schließlich als sich selbst erledigend auf sich beruhen.

Einige Schützen treten in die GST ein um weiter ihren Sport betreiben zu können. Vor allem Hans-Rolf Schröter versucht den alten Geist der Gothaer Schützen an die Jugend zu vermitteln. Zusammen mit Hans Beck gelingt es die Tradition des Königsschießens wieder aufleben zu lassen. 

Womit niemand rechnen konnte ereignet sich 1989, die DDR geht unter und es ist wieder möglich bürgerliche Vereine zu gründen. Die noch lebenden 7 Altmitglieder treffen sich und wollen die Altschützengesellschaft wieder aufleben lassen. Eile scheint geboten, weiß doch niemand wohin die Entwicklung geht.

Die Behörden behaupten nach wie vor, dass die Gesellschaft durch das Potsdamer Abkommen verboten wurde, so bleibt nur eine Neugründung. Im Auftrag der alten Herren gründen Hans Beck und Theodor Bonsack jun. am Sebastianstag 1990 unter Beobachtung der Altschützen, Verweser Hans-Rolf Schröter, Wilhelm Herzog und Karl Meyfahrt, einen neuen Verein, der die Tradition der Altschützengesellschaft Gotha fortsetzen soll. Später will man sich um die Anerkennung der Rechtsnachfolge und das Eigentum kümmern. Daraus wird zunächst nichts, auch die neuen bundesrepublikanischen Behörden unterstellen ein rechtmäßiges Verbot nach alliiertem Recht und verweigern die Anerkennung einer Rechtsnachfolge.

Trotz tiefer Enttäuschung ob soviel Ignoranz machen die letzten Mitglieder der herzoglich privilegierten Altschützengesellschaft weiter, sie halten daran fest, dass sie keine Gliederung der NSDAP waren und nie verboten worden sind, noch sich selbst aufgelöst haben. Erst nach jahrelangem Suchen in den nunmehr zugänglichen Archiven werden immer mehr Akten entdeckt, die den Rechtsstandpunkt der Mitglieder der herzoglich privilegierten Altschützengesellschaft zu Gotha schließlich unumstößlich untermauern. 2007 erkennt das Innenministerium an, dass die Gesellschaft nie verboten wurde und noch immer existiert.

Damit war nach über 70 Jahren Notstand der Weg der Rückkehr zu satzungsgemäßer Tätigkeit geebnet.    

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